Sieben Jahrzehnte BMW Werk Berlin – ein Rückblick.

BMW Motorrad und Berlin sind unzertrennlich.

1923

Das erste BMW Motorrad, die BMW R 32, wird am 28. September auf der Berliner Automobilausstellung erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Der quer eingebaute Zweizylinder-Boxermotor (ca. 8,5 PS) in Verbindung mit dem Kardanantrieb ist ein geniales Antriebskonzept, das sich bis heute bei BMW Motorrad bewährt.
Der damalige BMW Chefkonstrukteur Max Friz konstruiert die BMW R 32 in Rekordzeit und legt damit den Grundstein für die lange Erfolgsgeschichte von BMW Motorrad.
Bis zum Start der Motorradproduktion in Berlin sollten aber noch einige Jahrzehnte verstreichen.

1939

Die BMW AG übernimmt die Brandenburgischen Motorenwerke (Bramo) und damit auch das Spandauer Werk. Durch diese Fusion übernimmt BMW in Deutschland die Führungsposition als Hersteller von luftgekühlten Flugmotoren.
In den roten Backsteingebäuden am Juliusturm entstehen bis Kriegsende BMW Flugmotoren für die zivile und militärische Luftfahrt. So zum Beispiel die bis zu 1.000 PS starken 9-Zylinder-Sternmotoren (Typ 132 A/E), die die legendäre JU 52 antreiben. Dieses Flugzeug ist Ende der 1930er-Jahre in den Flugflotten von über 40 Staaten im Einsatz. BMW Flugmotoren aus München und Berlin stellen weltweit unzählige Höhen- und Langstreckenrekorde auf.

1945

Nach Kriegsende wird in der zerstörten Hauptstadt das BMW Werk wie viele andere Industriebetriebe von den Alliierten demontiert. Das bedeutet, dass ein Großteil der Produktionsanlagen und Maschinen abgebaut, verpackt und zum Teil ins Ausland gebracht wird.
Doch der Wille zum raschen Wiederaufbau ist groß: Schon im Mai 1945 produzieren dort etwa 100 Mitarbeiter wieder einfache Gebrauchsgüter für den täglichen Gebrauch wie zum Beispiel Sicheln und Sensen.

1949

Nach der Währungsreform nimmt die Konjunktur in Deutschland langsam wieder Fahrt auf. Die damalige Werkleitung errichtet im BMW Werk Berlin eine Werkzeug- und Maschinen-Fertigung, die unter anderem das Stammwerk in München versorgt. Dort läuft unterdessen langsam die Entwicklung und Fertigung von BMW Motorrädern an.
Zudem startet 1949 in Berlin die Herstellung von BMW Motorradteilen – der erste Schritt zur Verlagerung der Produktion von der Isar an die Spree ist getan.

1959

Wegen der steigenden Pkw-Nachfrage wird für die Automobilproduktion im Werk München immer mehr Kapazitäten benötigt. Deshalb wird die schrittweise Verlagerung der Motorrad-Produktion von München nach Berlin weiter vorangetrieben. Mit der Inbetriebnahme des Motorrad-Rahmenbaus im Werk Berlin ist die erste Kern-Technologie bereits hier angesiedelt. Zudem läuft in Spandau langsam auch die Produktion BMW Pkw-Teilen an.

1966

Das erste BMW Motorrad aus dem Werk Berlin, eine BMW R 60/2 mit Vollschwingen-Fahrwerk, rollt am 6. September vom Band der neu errichteten Motorradmontage. Die Motoren liefert aber nach wie vor der Motorenbau im Stammwerk München.
Der luftgekühlte Boxer der rund 200 kg schweren BMW R 60/2 mit 594 ccm Hubraum leistet 30 PS und ist für eine Höchstgeschwindigkeit von fast 150 km/h gut. Das Motorrad kostet damals 3.315 DM.

1969

Als im BMW Werk Berlin der Motorenbau in Betrieb geht, ist die Verlagerung der Motorradfertigung endlich abgeschlossen. Die Entwicklungsabteilung bleibt aber in München.
Mit der komplett neu entwickelten /5-Baureihe startet BMW Motorrad eine neue Produktoffensive. Die neuen Modelle sind gekennzeichnet durch den leichten Doppelschleifen-Rohrrahmen mit Hinterradschwinge und Teleskopgabel vorne. Bestes Pferd im Stall ist die BMW R 75/5, die bereits 50 PS leistet.
Rund 400 gut ausgebildete Mitarbeiter bauen in reiner Handarbeit täglich 30 Maschinen.

1973

Nachdem schon 1970 das 10.000te BMW Motorrad aus Berlin gefeiert wurde, läuft drei Jahre später das 500.000ste BMW Motorrad seit 1923 vom Band. Auch gibt es das 50jährige Bestehen von BMW Motorrad zu feiern. Zu diesem Anlass geht die in vielen Details überarbeitete /6-Baureihe in Serie. Außerdem rollt das neue Topmodell, die legendäre BMW R 90 S mit Doppelscheibenbremsen vorne, Fünfgang-Getriebe und Cockpitverkleidung vom Stapel. Aus 898 ccm Hubraum schöpft der Boxermotor der bis dahin stärksten BMW satte 67 PS und überzeugt neben einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h durch seinen sehr sportlichen Charakter.

1975

Das BMW Werk Berlin bleibt in Feierlaune: Am 29. Januar wird bereits das 100.000ste BMW Motorrad aus Berlin, eine BMW R 90 S, gebaut.
Die Nachfrage nach BMW Motorrädern ist ungebrochen groß und die Fertigungskapazitäten stoßen langsam an ihre Grenzen. Deshalb investiert die BMW AG rund 200 Mio. DM in den Bau einer neuen Montagehalle. Damit soll die Kapazität auf bis zu 60.000 Einheiten pro Jahr gesteigert werden. Der damalige Bundespräsident Walter Scheel ist 1977 bei der Grundsteinlegung dabei.

1979

Die Komponenten-Fertigung im BMW Werk Berlin nimmt die Produktion von Bremsscheiben für BMW Automobile auf. In den folgenden Jahren wird das Produktspektrum unter anderem durch die Nockenwellen-Fertigung abgerundet.

1980

Mit der Einführung der ersten BMW R 80 G/S (50 PS) eröffnet BMW Motorrad einmal mehr ein neues Marktsegment. Das Konzept der geländetauglichen Reiseenduro ist auf Anhieb ein Erfolg und seit nunmehr drei Jahrzehnten ist die „GS“ für Motorradfahrer auf der ganzen Welt ein Synonym für Abenteuer und Freiheit auf zwei Rädern.
Die BMW R 80 G/S ist das erste Serienmotorrad der Welt mit Einarmschwinge und einem Federbein zur Hinterradführung. Die Rennversion der GS ist auch im Geländesport überaus erfolgreich und gewinnt unter anderem zwischen 1981 und 1985 die Rallye Paris – Dakar.

1983

Das BMW Werk in Spandau rüstet sich für die Erweiterung der Modellpalette um die neue K-Reihe. Mit der BMW K 100 setzt BMW Motorrad zum ersten Mal einen Vierzylinder-Motor ein, der mit elektronsicher Zündung und Benzineinspritzung wieder einmal Maßstäbe setzt. 1985 rundet die K 75 mit Dreizylinder-Reihenmotor die K-Baureihe ab.
Das Unternehmen investiert für die zweite Baureihe in Berlin rund 500 Mio. DM in ein vollständig neues Montagegebäude und -system sowie in eine hochautomatisierte Fertigungsstraße für Motorkomponenten. Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl eröffnet das neue Werk.

1988

Als Weltneuheit produziert das BMW Werk Berlin mit den Modellen BMW K 100 RS und K 100 LT die ersten Serienmotorräder mit ABS. Dieser Meilenstein in der aktiven Sicherheit von Motorrädern wird zunächst als Sonderausstattung angeboten, gehört heute aber bei vielen BMW Modellen bereits zur Serienausstattung.
Im selben Jahr startet auch die prestigeträchtige BMW K 1, die erste BMW mit Vierventil-Technik, digitaler Motorelektronik, Paralever-Hinterradschwinge und revolutionärem Design einen Siegeszug in die Herzen der Motorrad-Fangemeinde.

1991

Am 18. März rollt im Werk Berlin mit einer BMW K 75 RT das 1.000.000te BMW Motorrad in der Unternehmensgeschichte vom Band.
Im selben Frühjahr bietet BMW Motorrad als weltweit erster Hersteller zunächst für seine K 100 Modelle einen geregelten Katalysator zur effizienten Abgasreinigung an. Für die Dreizylinder-Modelle (BMW K 75) gibt es noch im selben Jahr einen ungeregelten Katalysator.

1993

Zum 70. Geburtstag des genialen BMW Boxer-Motors präsentiert BMW Motorrad die neue Boxer-Generation mit vier Ventilen. Der 90 PS starke 1,1-Liter-Motor debütiert in der BMW R 1100 RS. Dieses Modell ist auch das erste Serienmotorrad der Welt mit Telelever-Vorderradführung, die eine neue Ära in der Fahrwerkstechnik einläutet.
Der neue Boxermotor ist ab 1994 auch in der R 1100 GS zu haben.
Mit der Einführung der neuen Boxergeneration wird die Montage und Mechanische Fertigung von Motor- und Fahrwerkskomponenten nochmals modernisiert und erweitert.

1996

Die Ära des luftgekühlten Zweiventil-Boxers geht nach 73 überaus erfolgreichen Jahren zu Ende. Zum Jahresende rollt im BMW Werk Berlin das letzte BMW Motorrad mit dem „alten“ Zweiventiler-Boxer, eine BMW R 80 GS Basic vom Band.
Die brandneue BMW K 1200 RS, wie alle BMW Motorräder ein echter Berliner, ist mit 130 PS das bislang leistungsstärkste BMW Motorrad.

2000

Mit der neuen BMW F 650 GS mit Einzylinder-Motor führt das BMW Werk Berlin die dritte Baureihe ein.
Wegen der steigenden Nachfrage muss das Werk seine Fertigungskapazitäten erneut ausbauen. Deshalb investiert die BMW AG zwischen 1999 und 2003 insgesamt 280 Mio. Euro für eine neue Montagehalle, eine automatisierte Lackieranlage und neue Anlagen in der Mechanischen Fertigung – ein klares Bekenntnis zum Motorrad-Produktionsstandort Berlin-Spandau.
Im Zuge der Baumaßnahmen gelingt auch die Gratwanderung, eine hochmoderne Produktion in denkmalgeschützte Bausubstanz zu integrieren.

2001

Am 6. Februar erreicht die Erfolgsgeschichte am Juliusturm einen weiteren Höhepunkt: Das einmillionste BMW Motorrad aus Berliner Produktion seit 1967 rollt vom Band. Die aufwändig lackierte BMW R 1150 RT wird zu Gunsten von UNICEF im Internet versteigert.
Mit 512.644 in Berlin seit 1969 gebauten Einheiten stellt der Zweiventil-Boxer den Löwenanteil in der Motorenpalette.

2002

Durch die ständig erweiterte Modellpalette steigt auch die Nachfrage nach BMW Motorrädern. BMW Motorrad reagiert mit einem permanenten Ausbau der Fertigungskapazitäten und eröffnet im Februar 2002 den Neubau der Montagehalle 7. Das dort eingesetzte intelligente C-Hakensystem ist weltweit einmalig in der Motorradindustrie. Modernste Bearbeitungszentren und Fertigungsanlagen in der Mechanischen Fertigung sind weitere Garanten für Premium-Qualität aus Berlin.
Im Jahr darauf geht auch der Neubau der erweiterten Motorenmontage in Betrieb, 2004 eröffnet die neue Lackiererei. Das BMW Werk Berlin ist das modernste Motorradwerk der Welt.

2006

Produktionsrekord: Erstmals werden in Berlin in einem Jahr mehr 100.000 BMW Motorräder gefertigt – ein Beleg dafür, dass die Produkte aus Berlin weltweit nicht nur einen erstklassigen Ruf genießen, sondern auch sehr gefragt sind.
Zudem ist die Zeit für die vierte Modellreihe reif: 2006 rollt mit der BMW F 800 S das erste BMW Motorrad mit wassergekühltem Zweizylinder-Reihenmotor (Paralleltwin) vom Band. Eine weitere Besonderheit: der Antrieb zum Hinterrad erfolgt über einen Zahnriemen.

2009

Mit einer BMW R 1200 GS - der Bestseller aus Berlin - läuft am 12. Mai die 500.000. BMW mit der Modellbezeichnung „GS“ vom Band.
Im selben Jahr startet am Juliusturm die Produktion der neuen BMW S 1000 RR – dem ersten Supersportler von BMW Motorrad. Die Resonanz auf diese Maschine ist überwältigend und die Verkaufzahlen übertreffen alle Erwartungen. Im ersten vollen Verkaufsjahr werden mehr als 10.000 Einheiten davon verkauft.

2010

Mit dem Bau eines zusätzlichen, hochmodernen Montagebandes in der Motorenmontage wird der Grundstein für die Produktion der ersten BMW Sechszylinder-Modelle
BMW K 1600 GT und BMW K 1600 GTL gelegt. Ein neues Kapitel der Unternehmens- und damit auch der Werksgeschichte.

2011

Ein ereignisreiches Jahr.
Nach 42 Jahren läuft am 6. Mai das zweimillionste Motorrad im Werk Berlin vom Band. Das Jubiläumsfahrzeug, eine R 1200 GS mit Sonderlackierung, wird im Rahmen der Kampagne „beBerlin“ Anfang Juni als Hauptpreis verlost.
Am 30. November erreicht die Geschichte einen weiteren Höhepunkt: das BMW Werk Berlin erhält den Ludwig-Erhard-Preis. Es ist die höchste Auszeichnung für umfassende Unternehmensqualität auf nationaler Ebene.
Auch der 1. Dezember ist ein historischer Tag. Die Belegschaft in Spandau feiert den Produktionsstart der Maxi-Scooter C 600 Sport und C 650 GT. Mit den neuen Modellen erweitert BMW Motorrad seine Geschäftsfeld um die Facette „Urban Mobility“.

2012

Erstmals werden im Werk Berlin über 110.000 Motorräder in einem Jahr produziert, darunter auch die neue BMW R 1200 GS. Über drei Jahrzehnte nachdem die erste G/S vorgestellt wurde, geht die 5. Generation der Motorrad-Legende in Serienproduktion. Ihr Herzstück ist der neue Luft-Wasser-gekühlte Boxermotor.
Zusätzlich erweitert das BMW Werk Berlin seine bisherige Werksfläche durch den Zukauf eines großen, östlich angrenzenden Grundstücks auf rund 220.000qm. Die strategische Flächensicherung ermöglicht ein langfristiges Wachstum und ist ein klares Bekenntnis zum Produktionsstandort Berlin.

2013

Das Werk Berlin feiert 90 Jahre BMW Motorrad und startet im Jubiläumsjahr mit der Serienproduktion der BMW R nineT. Der puristische Roadster vereint die Gene aus neun Jahrzehnten Unternehmenshistorie und ist mit seinem Konzept auf die besonderen Wünsche der Customizing-Fans ausgerichtet.
Zudem eröffnet die eLounge, eine Markenerlebniswelt für Elektromobilität von BMW Motorrad. Hier tauchen Besucher in die Welt der Lithium-Ionen Batterien und Hochvoltspeicher ein.

2014

Das Werk Berlin startet mit der Serienproduktion des Elektro-Scooters BMW C evolution in die Ära der Elektromobilität bei BMW Motorrad. Darüber hinaus läuft das 500.000ste BMW Motorrad der GS Modellreihe mit Boxermotor vom Band – eine R 1200 GS.














Weitere Informationen zur Geschichte von BMW und dem Werk Berlin finden Sie hier: http://www.bmw-grouparchiv.de.